Das Dorf:

Bis 1350 gehört Zollhaus den Herren von Rettenberg 

1394 bereits wird die Wasenmühle (Wasachmühle) als zinspflichtig zum Stift Kempten erwähnt 

ab 1530 erwirbt der Bischof von Augsburg den Besitz von den Herren von Rettenberg
Gerichtsort ist Wertach Pflegschaftsort Rettenberg, nach 1562 Sonthofen, denn Brand in Rettenberg
die Pflegschaft dauert bis 1803, wo alle geistlichen Fürstentümer säkularisiert werden und Zollhaus zum Königreich Bayern gehört 

(1544 steht ein Zollhaus vom Bischof von Augsburg im Kemptener Wald
vom Zoll erhält der Bischof 2/3, der Abt von Kempten und die Stadt 1/3
bei dem Zollhaus steht eine Taverne (Gastwirtschaft), die auch dem Bischof gehört
 

Geheimnisvoller Kesselsee

Der Kesselsee bei Josereute ist früher ein offenes Wasser gewesen. Im Kloster Kempten war im Dreißigjährigen Krieg 1618-48 der Kirchenschatz bedroht, als die Schweden einfielen. Deshalb wollte man die Kostbarkeiten ins Kloster Füssen bringen. Unterwegs aber gingen bei Zollhaus die Pferde durch. Sie kamen von der Straße ab, der Wagen zerbrach. Um den Schatz nicht in Feindeshand fallen zu lassen, versenkte man ihn im nahen Kesselsee. So geht seither die Sage, im Kesselsee sei ein Schatz versenkt. Eine andere Sage erzählt von einer im Kesselsee versenkten Glocke. ( aus "Kempten und das Oberallgäu" von Norbert Hermann)
 
1650 wird eine genaue Erhebung des Bevölkerungsstandes aller zum Hochstift Augsburg gehörigen Gemeinden durchgeführt. Anlass für diese Erhebung ist die Huldigung für den Amtsantritt von Bischof Johann Rudolph
Die Zahlen spiegeln den Bevölkerungsstand wider, also die Haushaltsvorstände/ Familienväter oder deren Witwen, sowie die volljährigen ledigen Söhne oder Brüder
 

1715 erscheint in der Steuerbeschreibung zum ersten Mal eine zweite Wasenmühle
1715 baut Hans Landerer von Bachtel die obere Wasenmühle (Wasachmühle), Nachfolger ist Ostheimer
 

1768 gibt es 22 Teuer- und Hofstätten, wovon 19 bewohnt sind, ausserdem noch 2 Häuser, die zum Stift Kempten gehören.
 

bis 1771 ist die untere Wasenmühle im Besitz der Famile Hösle, Nachfolger ist Frohnknecht
 

1771 wird als Wirt Franz Josef Wölfle, Stift Kempten angeführt.
 

1775 gehören 2 Haushaltungen nach Sulzberg, 4 nach Petersthal, die anderen nach Mittelberg.
 

1799-1801 der zweite Koalitionskrieg der 1797 zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich geschlossene Friede von Campo Formio war von Frankreich aufgekündigt worden. Memmingen war 1799 das Zentrum des kaiserlichen Heeres, in Oy nahmen 1799 die Russen Quartier, im Mai 1800 gewannen die Franzosen die Oberhand und drangen ins Allgäu vor, bei Schelldorf überließen die Österreicher den Franzosen das Feld. Im Juni 1800 waren nur noch Immenstadt, das obere Illertal und die Gegend bei Nesselwang, Oy, Mittelberg, Zollhaus, Sulzberg und Martinszell (= Frontlinie) in Händen der Österreicher.
Im Juli 1800 erhielten die Franzosen Verstärkung und die Österreicher zogen sich kampflos über den Jochpass ins Tannheimer Tal zurück.
 

1801 Friede von Luneville, die Franzosen zogen ab
 

24.5.1802 Abkommen zwischen Frankreich und Bayern:
Frankreich muss für seine Verluste mit allgäu- schwäbischem Kirchenbesitz und der Eingliederung der Reichsstädte entschädigt werden
 

nach 1802 Säkularisation bzw. Mediatisierung der Reichsstädte das frühere Zollhaus geht in Privatbesitzer über, es wird eine Wirtschaft
 


1809 fallen die Tiroler und Vorarlberger ins Allgäu ein. Sie rebellieren gegen die bayer. Herrschaft , denn Tirol und Vorarlberg waren im Preßburger Frieden Bayern angegliedert worden. Kempten war Hauptstadt des bay. Illerkreises. Am 12.!. April fangen die Tiroler am Oberjoch die Salzfuhrwerke ab, Streifen gelangen bis nach Zollhaus. Ein Kemptener Färber zu Pferd wird beim Steinkreuz in Zollhaus angehalten. Nach überstandenem Schrecken erzählt er, daß in Kempten das Gerücht umgehe, die Tiroler massakrierten alles. Die Furcht der Kemptischen war unbegründet. Die Tiroler verhielten sich korrekt gegenüber der Allgäuer Bevölkerung. Die Hoffnung der Tiroler, das Allgäu schließe sich dem Aufstand gegen Bayern an, erfüllte sich nicht.
 

1879 wird die letzte Vereinödung im Allgäu in (Ober-)zollhaus vorgenommen die Ehgartenwirtschaft ( Wechsel von Gras- und Ackerland, was Acker war, wird nach einigen Jahren Grasland und umgekehrt- siehe Norbert Hermann S. 41 Mitte) bedingt eine große Streuung der Felder auf die einzelnen Gemarkungen. Um die Wegstrecken zu verkürzen, Felder zusammenzufassen und den Flurzwang zu umgehen, setzte eine Arrondierung ein: die Vereinödung. Einzelne Bauern brachen die Höfe ab und errichteten sie außerhalb des Dorfes wieder.

Nach der Säkularisation 1802 geht das Zollhaus in Privatbesitz über
erster Wirt ist Herr Wilhelm Walter, Kutscher aus Jodbad
Familie Kapitel kaufte
1888 das Haus von Wilhelm Walter ab, der bereits
1884 nebenan beim Bau der Bahnlinie einen Neubau errichtete, die Bahnhofswirtschaft oder Wirtschaft Zollhaus,
die später von seinem Sohn Xaver Walter mit Frau geführt wird
das ehemalige Zollhaus ist jetzt die Kapitel-Wirtschaft (siehe Familienname)
später zieht ins Kapitel die Familie Klopf ein und eröffnet dort eine Schreinerei
 

1921 wird Zollhaus elektrifiziert, d.h. es bekommt eine Stromleitung
 

Am 1. August 1924 brennt die Schreinerei Klopf ab, Familie Klopf baut wieder auf , muß aber wegen hoher Schulden verkaufen. Käufer ist Josef Gallenmiller
 

1927/28 Schreinerei Josef Gallenmiller
 

1967 wird in Oberzollhaus das Milchwerk in Betrieb genommen. 275 Bauern , bisher auf 17 Sennereien aus Petersthal, Sulzberg, Bodelsberg und Mittelberg verteilt, haben sich zur Milchverwertung Rottachtal GmbH vereinigt. In der Anfangsphase werden bereits 35000 l Milch täglich zu 35 LaibenEmmentaler und 500 kg Butter verarbeitet. Nur 20 Mitarbeiter sind im Werk erforderlich.
 

1972 Zusammenschluss mit dem Milchwerk Sonthofen zum Oberallgäuer Milchwerk eG Sonthofen-Zollhaus mit Sitz in Sonthofen. Nun werden täglich zwischen 86000 l Milch im Winter und 160000 l Milch im Sommer angeliefert.
Die durchschnittliche Tagesproduktion in Zollhaus liegt bei 50- 80 Laiben Emmentaler in Spitzenzeiten.

Kapelle:

 Kapelle St. Magnus

1742 erbaut anstelle einer älteren Kapelle, nach Vermutung des Kunsthistorikers Michael Petzet
Das Hochaltarbild, 1742 signiert, zeigt die Heiligen Magnus, Wendelin und Colomann über der neuen Kapelle.Der Eingang befand sich ursprünglich auf der Westseite.
 

14.Feb.1743 wird ein Gesuch auf Kreuzweg gestellt, Erlaubnis erteilt
 

1743 einen Kreuzweg errichtet

Ausstattung der Kapelle:
Hochaltar, 1856 erneuert, mit altem Altarblatt. Auf diesem sieht man eine Kapelle, wahrscheinlich die Vorgängerkapelle
Auf den seitlichen Durchgängen: fast lebensgroße Figuren St. Johannes und St. Rochus, wahrscheinlich auch aus einer anderen Kirche, eventuell sogar aus der Vorgängerkapelle, künstlerisch sehr wertvoll, lt. Inschrift 1644 geschnitzt von Hans Schaur, Bildhauer von Ottobeuren
Rochusfigur wird 1839 von Maler Michl Hermann aus Niedersonthofen und
1860 von Andere Gaiser aus München renoviert.
Johannesfigur wird 1844 durch Maler Bernhard D. aus Mittelberg instandgesetzt.
Diese Renovierungen werden finanziert von Joseph Jörg und einer Frau Barbara aus Unterzollhaus.
 

Barocke Seitenaltäre stammen der Überlieferung nach wohl aus Bodelsberger Kirche
Altarblatt südlich/ rechter Seitenaltar: Auferstandener erscheint am Ostermorgen Petrus und Magdalena, signiert 1625 von Joseph Wölfle
Altarblatt nördlich/ linker Seitenaltar: heiliger Georg, (Patron von Bodelsberg),
1861 von J. Geisser aus Augsburg Barocke Holzfiguren am Chorbogen: Joachim und Anna Selbdritt, Tragstange mit Muttergottes, frühes 18. Jahrhundert
 

1837 wird das Ansuchen gestellt und bewilligt, allmonatlich eine hl. Messe zu lesen
kostet für den Kaplan aus Petersthal jedesmal 1 Gulden und ein Frühstück
die Kapelle und 2 Häuser von Oberzollhaus gehören zur Pfarrei Petersthal
 

Am 29.Jan.1875 kommen die 2 Häuser und die Kapelle zur Pfarrei Mittelberg /Umpfarrung
 

1910 bekommt die Kapelle einen neuen Dachreiter
Zimmermeister Heinrich Herz, Moosbach
Zwei Glocken aus Bodelsberger Kirche, dort 1909 Turmneubau und neue Glocken
Die beiden Gußwerke sind 1743 durch Johannes Schirmeister in Kempten und 1788 durch Johann Georg Ernst in Memmingen entstanden. Auf letzterer Glocke Abdruck eines Bayerischen Marientalers. Auf beiden Glocken Relief von St. Georg, Patron der Bodelsberger Kirche. Wegen ihres historischen Wertes brauchten die Glocken in den Weltkriegen 1914 und 1939 nicht zum Einschmelzen abgeliefert werden.
 

1928 Restaurierung der Kapelle (DM 7.000.-)
Xaver Schöferle (Vater von German) sammelt jahrelang allmonatlich in jedem Haushalt DM 1.- Auf diese Weise finanzieren 30 Haushalte (= 180 Einwohner) von Zollhaus die 7000.- DM für die Restaurierung.
Gebrüder Haugg aus Ottobeuren: Malerarbeiten, Decke mit St. Magnus segnet Zollhaus
Josef Baumann, Kempten: Stuckarbeiten
Alex Wegmann, Ottobeuren: Glaserarbeiten
Josef Waibel, Petersthal: eisengeschmiedete Fensterumrahmungen
 

Renovierung erfolgte unter Pfarrer Wagner, Mittelberg und Kirchenpfleger Franz Xaver Schöferle, Zollhaus
 

etwa 1955 neue Uhr auf Dachreiter
 

1965 neues Kupferdach auf den Turm, Kapelle wird neu eingedeckt, Westseite frisch gestrichen
 

ab 1984 Innenrenovierung, zuvor Fundamente saniert, neue Elektroinstallation, im Langhaus neuer Boden (Solnhofer Platten), neue Raumfassung in Langhaus und Chor
Deckenbild wird renoviert
Altäre mit Figuren restauriert
Kreuzweg von 1861 wieder aufgehängt, war bis dahin auf dem Dachboden
Kosten DM 50428.-, finanziert durch Spenden und Zuschüsse
 

1990/91 Außenrenovierung durch die Gemeinde Oy- Mittelberg
In Zusammenarbeit mit der Flurbereinigung, bisher Kosten von DM 40000.-
Turm neu geschindelt Schindelschild auf der Westseite des Langhauses anstelle eines Blechschildes
Dach erneuert
 

Noch ausstehende Maßnahmen:
Neuer Putz und Anstrich, neue Türe, wünschenswerter Bau eines Vorzeichens


1990/91 Trockenlegung der Außenwand und Erneuerung des Außenputzes
 

1993 Westwand Verblechung entfernt
Ganze Wand geschindelt und imprägniert , einschließlich Kirchturm rundum (v. Faktor. Lerchenmüller, Maria Rain)
Renovierung des Zifferblatts durch Maler Herbert Grotz

Kosten bisher über 40 000 DM
 

15.8.1993 250 Jahre Kapelle St. Magnus, Festgottesdienst mit den Zollhauser Neupriestern Albert Gallenmiller u. Christian Liebenstein, Kirchenchor Oy und anschließend weltliche Feier
 

1996 Bau des Vorzeichens Konstruktion Schmöger, Oy Schalbretter gespendet von Fa. Filleböck Kupferdach gespendet von Fa. Stärk Geschindelt und gestrichen in Eigenarbeit Neue Eingangstüre Fa. Schmöger, Oy
Kosten belaufen sich auf 2 000.- DM und 4500.- DM
 

1997 Lamm wurde renoviert
Buch mit 7 Siegeln restauriert
Kosten: 500.- DM
 

1998 Wegen Feuchtigkeit und Frost musste der Putz umlaufend bis zur Fensterhöhe mit Kompressor bis zur Natursteinmauer abgeschlagen, neu verputzt und gestrichen werden 33600.-DM
 

2000 Herz Jesu renoviert
360.- DM